Uns war es im Unterland einfach zu heiss und wir mussten einfach weg. Einfach? so einfach ist das nicht. Mein Mann ist halber Italiener, kocht am liebsten jeden Tag selber, und unsere Sommer gehören seit Jahren dem Meer und dem Strand. Berge waren nie der Plan.
Nach den obligaten Strandferien war es uns in der Schweiz dann doch zu heiss. Wir brauchten einen Kurzaufenthalt weiter oben. Höhenluft. Abkühlung. Kurzferien in den Bergen. Wenn es geht in einem rustikalen Berghotel, mit Geschichte?
Wir gehen ungern in Hotels. Zu steril, zu unpersönlich. Und mein Mann und die Kinder sind beim Essen, sagen wir mal, «anspruchsvoll».
Einen Ort zu finden, der die Kinder glücklich macht und bei dem nach dem ersten Abendessen niemand den Teller zurückgehen lässt, weil es «einfach nicht gut» ist: ungefähr so schwierig wie ein Parkplatz in Zürich am Samstagnachmittag zu finden.
Gesucht und gebucht.
Hotel und Restaurant Alpfrieden auf der Bettmeralp
Auf Social Media sind wir über ein Angebot gestolpert: Wer im Hotel Alpfrieden auf der Bettmeralp min. zwei Nächte bucht, reist gratis mit dem öffentlichen Verkehr an. Für uns vier war das eine Ersparnis von über 300 Franken (das Angebot ist noch bis Ende Oktober 2026 gültig).
Wir fahren sonst Auto, aus Bequemlichkeit und aus Gewohnheit.

Drei Stunden vierzig von Zürich bis zur Talstation Bettmeralp in Betten, danach mit der Gondel hinauf. Die Kinder haben gelesen, gespielt und aus dem Fenster geschaut. So entspannt sind wir selten Zug gefahren.



Ein "Detail", das man erst oben merkt:
Die Bettmeralp ist autofrei. Man hört die Kuhglocken und riecht die frische, klare Luft.


Man steigt aus der Gondel, geht zweihundert Meter, und dann stehen da Kühe. Nicht hinter einem Zaun im Gehege, sondern einfach auf der Wiese vor dem Hotel, mit Glocken, kauend, völlig unbeeindruckt. Unsere Kinder sind stehen geblieben und haben eine Weile nichts gesagt und einfach nur grosse Augen gemacht.
Das Berghotel Alpfrieden liegt sehr zentral auf der Bettmeralp und alles ist in 10 bis 20 Minuten zu Fuss erreichbar.
Empfangen hat uns Silvia, die Chefin, und zwar persönlich und mit einer ehrlichen Herzlichkeit, die man nicht spielen kann.
Die ganze Belegschaft hat uns behandelt, als wären wir nicht das erste Mal hier. Sehr familiär, aufmerksam und sympathisch.


Die Suite Solana verfügt über zwei getrennte Zimmer. Wer schon einmal mit zwei Kindern in einem einzigen Hotelzimmer geschlafen hat, weiss, was das wert ist. Eines für uns, eines für sie, dazwischen eine Tür, die man zumachen kann. Bingo.
Die Aussicht aus dem Bett war auch am Abend viel interessanter als der Fernseher. Die Kinder hatten direkten Zugang zum Badezimmer.


Genau so etwas hatten wir gesucht: ein Haus, das seit 1948 in Familienhand ist, viel Holz, Blumen am Balkon und einer Aussicht, die ihresgleichen sucht. Fast schon etwas kitschig.
Wir hatten einen grossen Balkon mit zwei Stühlen. So konnten wir die Aussicht noch besser geniessen.
Das erste, was wir gemacht haben, nachdem wir das Gepäck aufs Zimmer gebracht hatten: sofort auf der Terrasse Platz nehmen. Nicht in einem Tal, unterhalb der Berge, sondern auf Augenhöhe.

Schnitzel mit Pommes - Sechsmal in drei Tagen.


Wir hatten damit gerechnet, irgendwo eine halbe Stunde bergauf marschieren zu müssen, mit den entsprechenden zähen Verhandlungen.

Vom Hotel dem Waldrand entlang, 10 min. zu Fuss, ohne einen einzigen Höhenmeter, der eine Diskussion wert gewesen wäre.
Tipp: Unterwegs liegt der Heilkräuterpfad mit seinen Tafeln. Den nimmt man im Vorbeigehen mit, ohne dass es sich nach Programm anfühlt.
Unsere Kinder haben so etwas noch nie gemacht. Sie wurden angegurtet, bekamen Helm und Karabiner, und nach einer sehr professionellen, aber kindgerechten Einführung startete das Abenteuer.


Balancieren, schwingen, einklinken, umhängen. Beide haben sofort verstanden, wie das System funktioniert, und dann waren wir 2.5 Stunden "arbeitslos". Hätten wir das gewusst, hätten wir noch eine kleine Flasche kühlen Weissen und zwei Gläser mitgenommen. Merken für nächstes Mal.

Man bezahlt einmal 13 Franken pro Kind und darf dann von halb zehn bis um fünf so oft durch, wie man mag. Unsere beiden haben zweieinhalb Stunden gebraucht, um beide Runden auszureizen.
Ab 130 Zentimetern Körpergrösse öffnen sich die langen, anspruchsvollen Parcours für Erwachsene und Teenager. Die heben wir uns fürs nächste Mal auf. Da waren wir uns erstaunlich schnell einig.


Die Kids sind angegurtet und startklar und wir bereit für die verdiente Elternzeit.







Wir sassen morgens um acht fast allein im Saal und haben zugesehen, wie die Sonne über dem Grat aufging. Genau! Nein, natürlich nicht. Wir haben bis 09:30 Uhr durchgeschlafen und dann hopp zum Zmorge.
Gutes Brot, frische Gipfeli, Aufschnitt, viele Käsesorten, Nüsse, Flocken und ein guter Fruchtsalat. Kaffee und Ovi... was will man mehr?
Brot und Gipfeli, das Buffet, Müesli und der Fruchtsalat.




Dann ging es aufs Bettmerhorn, weil wir den Kindern unbedingt den Aletschgletscher zeigen wollten. Hin und Zurück mit der Gondel zu viert für günstige 17 CHF (mit Halbtax).


Denkt sich wahrscheinlich der Techniker auf dem Bild. Beim letzten Teil kurz vor der Station geht es deutlich steiler hinauf, als wir erwartet hatten. Ich gebe zu, dass ich zwischendurch bewusst nach vorn geschaut habe statt nach unten.
Dafür sahen wir Gämsen am Hang und weiter unten Wanderinnen und Wanderer, die sich die Strecke zu Fuss antaten. Die Kinder fanden es grossartig.
Die steile Strecke und der Blick zurück auf das Sonnenplateau.


Die Bergstation Bettmerhorn liegt direkt am Grat. Ein paar Schritte, und der ganze Aletschgletscher liegt vor einem.
Im selben Gebäude ist das Gletschermuseum, die Gletscherausstellung, untergebracht. Der Eintritt kostet nichts.

Beide. Gleichzeitig. Das kommt bei uns ungefähr so oft vor wie ein Vollmond am Nachmittag. Es tönt kitschig aber dieser Anblick hat uns alle Demut gelehrt und kein Foto kann diesen Eindruck einfangen.

Irgendwann muss man das Handy einfach hochhalten und akzeptieren, dass der Gletscher im Hintergrund kleiner aussieht, als er ist.


Ein paar Schritte von der Plattform steht ein Schild, das die Stelle als Kraftort ausweist. Daneben stehen Bänke. Wir haben uns hingesetzt und eine ganze Zeit lang einfach nur still die Aussicht genossen.





Von der Bank aus schaut man über den Grat hinunter ins Tal, und auf der anderen Seite liegt der Gletscher. Man sitzt genau dazwischen.
Die Kinder haben zum ersten Mal freiwillig zehn Minuten stillgesessen. Ob es an der Höhenluft lag oder an der Aussicht, kann ich nicht sagen.
Weniger bekannt, aber unbedingt mitnehmen: Oben auf dem Bettmerhorn gibt es eine Gletscherausstellung, das Gletschermuseum.


In der Ausstellung stehen historische Figuren, denen Gesichter aufprojiziert werden, die dann Geschichten aus vergangener Zeit erzählen.
So sieht das alles noch einmal anders aus. Ein Miniaturmodell zeigt den ganzen Aletschgletscher mit den umliegenden Gipfeln.


In einer Vitrine steht ein Bergsteiger mit Seil, Pickel und einer Ausrüstung, bei der man sich fragt, wie damals überhaupt jemand oben ankam.
Unser Zehnjähriger hat lange davorgestanden und dann gesagt, seine Turnschuhe seien besser. Da hat er wohl recht.
Der nachgebaute Gletscher mit Lichtinstallation, durch den man hindurchgehen kann. Blaues Licht, kalte Wände, ein schmaler Gang. Abenteuer!

Nach der Rückfahrt vom Bettmerhorn gab es Mittagessen auf der Terrasse des Alpfriedens mit Panorama zur Vorspeise und zum Dessert. Danach ab zum Bettmersee.

Zum Bettmersee kommt man bequem zu Fuss, oder man nimmt das sehr lange Förderband, eine Art Rolltreppe, die im Winter für Ski und Schlitten gedacht ist. Wir haben natürlich das Förderband genommen. Unsere Kinder wären natürlich am liebsten stunden lang auf diesem coolen Förderband herumgetollt. Oben angekommen sind es dann noch einmal etwa fünf Minuten zu Fuss.



Am Bootshaus gibt es ein kleines Restaurant mit Terrasse direkt am Wasser. Egal ob man den See "nur" bestaunen will, baden, mit dem Pedalo die Mitte des Sees erkunden oder einen gemütlichen Spaziergang drumherum machen will... Es hat für alle etwas dabei.
Der Weg um den See ist flach, breit und gut ausgebaut. Mit Kindern schafft man ihn locker in einer halben Stunde, mit Fröschen und Steinen unterwegs eher in zwei.

Der Uferweg, das Seepanorama und die Felsen oberhalb des Ufers.



Statt zu baden, haben wir die Füsse in einen der vielen Bäche gehalten, die den See speisen. Lange haben wir es nicht ausgehalten und mussten zwischendurch wieder raus, denn das Wasser war wirklich ganz schön kalt.

Unter einem grossen Baum an der Westseite. Von dort sieht man den ganzen See und die Berge im Hintergrund.
Es gibt am Ufer mehrere Bänke und Picknickplätze, aber diese eine Bank ist die beste.


Am flachen Ufer wimmelt es im August von winzigen Fröschen. Beide Kinder haben eine gute Stunde damit verbracht, welche zu finden, vorsichtig hochzuheben und wieder freizulassen. Wir haben einfach das Bergfeeling auf uns wirken lassen.
Besser als jeder Freizeitpark.
Ein abgetrennter, ganz flacher Teil des Sees, extra für kleine Kinder ausgeschildert. Man steht knöcheltief im Wasser.


Wir sassen daneben auf einem Stein und haben zugeschaut. Keine Eintritte, keine Zeitfenster, keine Anmeldung.
Wer schon einmal einen Familienurlaub durchgetaktet hat, weiss, wie selten das ist.
Für "Stadtkinder" ist die erste Kuh aus zwei Metern Entfernung ein Ereignis. Für die Kuh eher nicht.

Statt wieder mit dem Förderband zu fahren, sind wir zu Fuss quer durch die Bettmeralp gelaufen. Bilderbuchszenen: kleine Bäche, die durch das Dorf führen, kleine Einzimmerhäuschen und stilvoll hergerichtete Vorgärten... Was für ein Ort.
Walliser Holzhäuser, ein Bach, der mitten durchs Dorf läuft, und im Sommer ein Schlitten, der auf den Winter wartet.



Walliser Holzhäuser, Blumenkästen, dazwischen die weisse Kapelle auf ihrem Hügel. Für uns ein wahrer Geheimtipp was Ferien in den Bergen betrifft.
Die Anlage liegt mitten im Dorf und ist der perfekte Abschluss für einen Tag, an dem alle schon genug gelaufen sind.


Die Beweislage war dünn, der Schiedsrichter war befangen, und niemand hat mitgeschrieben. Ihr grosser Bruder sieht das bis heute anders. Wir haben es trotzdem so stehen lassen.
Wir hatten drei Tage Sonne pur und mussten den Plan B nie einlösen. Trotzdem haben wir ihn uns angeschaut, weil man mit Kindern nie weiss. Das Sportzentrum Bachtla gleich neben dem Förderband.
Ein beheiztes Becken direkt im Sportzentrum. Nach drei Tagen Bergsee mit 19 Grad war das für unsere Kinder ein durchaus verlockendes Argument.
Gleich neben dem Bad. Klettern, rutschen, toben. Für einen Regennachmittag reicht das locker.
Ebenfalls unter demselben Dach. Für die Grösseren, die im Seilpark auf den Geschmack gekommen sind.
Direkt davor, im Freien. Wenn es nur bewölkt ist statt nass, drehen die Kinder hier ihre Runden, mit Trottinett oder Velo.
Das Sportzentrum Bachtla liegt genau beim Förderband, das zum Bettmersee hinaufführt. Man kommt also mehrmals täglich daran vorbei, ob man will oder nicht.

Am letzten Morgen haben wir ausgeschlafen und noch einmal ausgiebig gefrühstückt. Danach hatten wir das Vergnügen, mit dem Elektromobil des Hotels zur Gondelstation gefahren zu werden. Vielen Dank nochmals an Silvia, die uns und unseren Kindern einen unvergesslichen Aufenthalt beschert hat.

Ausgerechnet kurz vor der Abreise haben wir entdeckt, dass man auf der Bettmeralp Trottinetts mieten kann.

Rund dreieinhalb Stunden bis zur Talstation Betten, dann etwa fünf Minuten mit der Gondel hinauf.
Sehr gut sogar. Das Dorf ist autofrei, die Wege sind grösstenteils flach, und zum Bettmersee führt zusätzlich ein Förderband.
Zehn Minuten zu Fuss, flach, dem Waldrand entlang. Unterwegs liegt der Heilkräuterpfad.
Wir sind ohne Anmeldung hin. Vor Ort gibt es Gurt, Helm und Karabiner sowie eine kurze Sicherheitseinweisung.
Ja. Das Wasser lag im August bei 19 Grad, es gibt einen flachen Kinderbereich und am Bootshaus lassen sich Pedalos mieten.
Wir haben mit Halbtax 17 Franken für alle vier zusammen bezahlt, hin und zurück. Mit einer Familienkarte lässt sich noch mehr sparen.
Nein, das Museum an der Bergstation ist kostenlos. Der begehbare Eistunnel war bei unseren Kindern das Highlight.
Das Sportzentrum Bachtla liegt wenige Minuten vom Hotel entfernt und bietet Hallenbad, Indoorspielplatz und Kletterwand unter einem Dach.
Drei Tage sind kurz. Aber es waren drei Tage voller neuer Erlebnisse und Bilder, die wir so noch nicht kannten. Die Möglichkeiten vor Ort sind vielfältig und entspannt zu Fuss erreichbar. Zusammen mit der Kulisse: einfach toll.
Alles ist zu Fuss erreichbar, es fahren keine Autos, und die Highlights liegen so nah beieinander, dass man mit Kindern nicht ständig Wege verhandeln muss. Seilpark, See, Gletscher, Museum, Minigolf: in fünfzehn Minuten oder einer Seilbahnfahrt ist alles erreichbar.
Für uns als typische Strandurlauber war das die Überraschung. Wir hatten mit einem Notprogramm gerechnet, weil es zu Hause zu heiss war. Bekommen haben wir Ferien, die sich wie Ferien angefühlt haben.
Das Alpfrieden ist kein Luxushotel und will es auch nicht sein. Es ist ein ehrliches Berghotel mit einfachen Zimmern, einer aussergewöhnlichen Terrasse, einer ausgezeichneten Küche und sympathischen Gastgebern, die einen als Freunde willkommen heissen.
Genau deshalb sind wir hier gelandet, und genau deshalb kommen wir wieder.